Dunkle Sellerie-Jus mit fermentiertem Sellerie und Verjus im Topf

Rezept von Markus Kapeller

Sellerie-Jus mit fermentiertem Sellerie & Verjus

Dunkel gerösteter Knollensellerie, Fermentation und Verjus – eine vegetarische Jus mit Tiefe, Umami und feiner Säure.

Eine gute Jus braucht nicht zwingend Fleisch. Bei dieser Variante steht Knollensellerie im Mittelpunkt: kräftig geröstet für Tiefe und Röstaromen, ergänzt mit fermentiertem Sellerie für natürliche Säure und Umami. Verjus kommt gleich zweimal zum Einsatz. Beim Ablöschen verbindet er sich mit den Röstaromen, zum Schluss bringt er Frische und Balance in die fertige Sauce. Das Ergebnis ist eine intensive, dunkle Sellerie-Jus, die besonders gut zu Gemüse, Pilzen, Kalb oder Geflügel passt.
Zum Rezept
Portionen Ca. 1 Liter Jus
Vorbereitung 30 Minuten plus Fermentationszeit
Garzeit Ca. 2 Stunden
Schwierigkeit Mittel
Saison Herbst · Winter

Schritt für Schritt zum Gericht

1. SELLERIE FERMENTIEREN

Knollensellerie schälen und in etwa 1 cm große Würfel schneiden.

500 g Sellerie mit 10 g Salz gründlich vermengen. Das entspricht 2 % Salz bezogen auf das Gemüsegewicht.

Sellerie vakuumieren und bei etwa 18–20 °C fermentieren lassen.

Je nach Temperatur und gewünschter Säure dauert die Fermentation ungefähr 5–7 Tage.

Sobald der Sellerie angenehm säuerlich schmeckt, kaltstellen.

Für eine professionelle und reproduzierbare Produktion den pH-Wert kontrollieren. Vor längerer Kühllagerung sollte der fermentierte Sellerie deutlich angesäuert sein, idealerweise bei pH 4,0 oder darunter.

Für die Jus 200 g Sellerie und 80–100 ml Fermentationsflüssigkeit verwenden.

2. GEMÜSE VORBEREITEN

Knollensellerie, Zwiebeln, Karotten und Stangensellerie grob schneiden.

Die Stücke nicht zu klein schneiden, damit sie beim kräftigen Rösten ausreichend Farbe bekommen, ohne zu verbrennen.

3. SELLERIE KRÄFTIG RÖSTEN

Rapsöl in einem großen, breiten Bräter erhitzen.

Knollensellerie portionsweise hineingeben und sehr kräftig anrösten.

Den Sellerie nicht ständig bewegen. Die Schnittflächen sollen deutlich dunkelbraun und karamellisiert werden.

Anschließend Zwiebeln, Karotten und Stangensellerie ebenfalls kräftig rösten.

Das Gemüse darf sehr dunkel werden, soll aber nicht verbrennen.

4. TOMATENMARK RÖSTEN

Tomatenmark zum gerösteten Gemüse geben.

Bei mittlerer bis kräftiger Hitze einige Minuten mitrösten.

Das Tomatenmark soll dunkelrot bis leicht bräunlich werden.

Dadurch verliert es seine rohe Säure und bringt zusätzliche Tiefe in die Jus.

5. MIT VERJUS ABLÖSCHEN

Zunächst etwa 130 ml Verjus angießen.

Den Bratensatz vollständig vom Boden lösen und den Verjus nahezu komplett reduzieren.

Anschließend die restlichen 70 ml Verjus zugeben und erneut stark einkochen.

Durch das zweimalige Ablöschen werden Röstaromen konzentriert und gleichzeitig eine feine Säure aufgebaut.

6. JUS ANSETZEN

Gemüsefond und Selleriesaft angießen.

Lorbeer, Pfeffer, Wacholder und Thymian zugeben.

Langsam aufkochen.

Anschließend die Hitze reduzieren und die Jus etwa 75–90 Minuten sanft ziehen lassen.

Nicht stark sprudelnd kochen.

7. FERMENTIERTEN SELLERIE ZUGEBEN

Etwa 20 Minuten vor Ende der Garzeit 200 g fermentierten Sellerie und 80–100 ml Fermentationsflüssigkeit zugeben.

Nur noch sanft ziehen lassen.

Der fermentierte Sellerie soll die Jus nicht dominieren. Er bringt Tiefe, Umami und eine feine natürliche Säure.

8. PASSIEREN

Die Jus durch ein feines Sieb passieren.

Das Gemüse nur leicht ausdrücken.

Zu starkes Pressen kann die Sauce trüb machen und unerwünschte Bitterstoffe in die Jus bringen.

9. AUF 1 LITER REDUZIEREN

Die passierte Flüssigkeit zurück in einen sauberen Topf geben.

Langsam reduzieren, bis ungefähr 1 Liter Jus übrig bleibt.

Die Sauce soll jetzt intensiv, dunkel und leicht sirupartig sein.

10. ABSCHMECKEN

Erst jetzt die endgültige Säure einstellen.

70–100 ml Verjus nach und nach zugeben und immer wieder probieren.

Mit Salz abschmecken.

Optional 8–10 g dunkles Miso einarbeiten.

Das Miso soll nicht deutlich herauszuschmecken sein, sondern lediglich die Tiefe der Jus verstärken.

11. IM SERVICE FERTIGSTELLEN

Nur die benötigte Menge Sellerie-Jus erhitzen.

Pro 100 ml Sauce etwa 5–6 g kalte Butter einmontieren.

Anschließend nicht mehr stark kochen.

So bleibt die Jus glänzend, leicht gebunden und geschmacklich frisch.

Persönlich empfohlen

Markus’ Tipp

Für noch mehr Selleriegeschmack den Selleriesaft vor der Verwendung separat um etwa ein Drittel reduzieren.

So wird das Aroma konzentriert, ohne dass die gesamte Jus unnötig lange eingekocht werden muss.

Ein Teil des Knollenselleries kann zusätzlich im Rational bei 185–190 °C Heißluft sehr dunkel geröstet werden.

Beim Abschmecken mit Verjus langsam arbeiten: Die Sauce soll zuerst nach geröstetem Sellerie schmecken. Danach kommen Umami und Fermentation – die Säure bleibt im Hintergrund und sorgt nur für Spannung.

Eine gute Sauce entscheidet oft darüber, ob aus einem guten Gericht ein richtig starkes Gericht wird. Von klassischen Grundsaucen über moderne Jus bis zu leichten Gemüse- und Buttersaucen findest du hier weitere Rezepte, Techniken und Ideen aus meiner Küche.

Rind - Jus 

Pilze - Jus 

Tomaten - Jus 

Das zeichnet dieses Rezept aus.

Kategorie Saucen · Fermentation
Küchenstil Moderne Alpenküche · Fermentation
Technik Fermentieren · Reduzieren · Montieren · Rösten
Hauptzutat Knollensellerie
Restaurant Im ARX serviert